Wie ankere ich richtig?

Richtig Ankern gehört für viele Wassersportler einfach dazu.

Ein ruhiger Platz, Stille, auch Weite, und viel Natur. Nach einem schönen Tag auf dem Wasser mit der Motor- oder Segelyacht liegst Du in einer romantischen Bucht. Der Wind ist eingeschlafen, es ist ruhig und warm. Du sitzt in Deinem Cockpit und genießt den wunderschönen Abend. Ankern ist einfach schön.

Das Ankern gehört für viele Segler zum Bordalltag dazu. Viele suchen die schöne Natur und Einsamkeit und meiden den Trubel in den Marinas.

Nicht jeder Segler hat die Erfahrung und Routine beim Ankern. Manchmal fehlt auch das Vertrauen in die Ausrüstung.

Wie finde ich den richtigen Ankerplatz für mich und mein Schiff?

Wichtig ist den richtigen Platz zu finden, der bei allen Wasserständen immer tief genug ist. Auch sollte er gegen Seegang , Dünung und Wind schützen. Hier gilt es dann die richtige Stelle zum endgültigen Verbleib auszuwählen. Hier kannst Du Dir unter anderem in einer detaillierten Seekarte (Navigationsgerät) schon vorab alle wesentlichen Informationen heraussuchen. Wie ist die Wassertiefe in Ufernähe? Wie ist der Untergrund beschaffen? Gibt es Landschutz durch Baumgruppen? Auch kannst Du schon vorher im Seewetterbericht über Wind und Gewitter informieren und dies alles in den Überlegungen zum richtigen Ankerplatz einbeziehen.

Zu beachten ist, dass immer so viel Raum und Wassertiefe vorhanden ist, dass die Yacht immer 360° um den Anker schwojen kann.  Du solltest immer darauf zu achten, dass genügend Abstand zum Uferbereich,  zu anderen ankernden Yachten in der Nachbarschaft, etc. gehalten wird.

Wie kann sich der Wind am Ankerplatz entwickeln?

Du solltest immer den aktuellen Wetterbericht in Deinen aktuellen Fahrtgebiet kennen und auf Wetter- und Windvorhersagen achten. Ein vermeintlich guter Ankerplatz kann sich bei stärkeren auflandigen Winden (Legerwall) als absolut ungünstig herausstellen. Windrichtung und Windstärke beeinflussen maßgeblich Dein Schwojverhalten. Das heißt, wie sich Deine Yacht um dem Anker im Wasser dreht. So kann eine geschützte Bucht schnell zu einem ungeschützten Ankerplatz werden.

Ankerst Du in einem Gezeitengewässer?

Je nachdem wo Du ankerst, können auch Strömungen, und Gezeitenwechsel, z.B. in den Tidengewässern der Nordsee, wichtige Faktoren sein, die bei der  richtigen Ankerplatzwahl zu beachten sind. Auch ist beim Tidenhub die Länge der Ankerkette,die gesteckt werden sollte, zu beachten. Gibst du bei einem großen Tidenhub zu wenig Kette, dann könnte der Anker gegebenenfalls bei Hochwasser ausbrechen.

Bei Seegang muss die Wassertiefe so gewählt werden, dass auch im tiefsten Wellental immer noch „eine Handbreit“ Wasser unter dem Kiel bleibt.

Bei Niedrigwasser sollte an Deinem Ankerplatz dann auch noch genügend Wassertiefe unter dem Kiel vorhanden sein, das heißt der Sicherheitsabstand zum Grund muss immer mit dem niedrigsten Pegel gerechnet werden..

Für die Bestimmung der benötigten Länge der Ankerkette solltest Du immer den maximalen Pegel beachten und die maximale Gezeitenströmungen zusätzlich mit berücksichtigen.

Richtig ankern – Wie ist der Ankergrund?

Es ist wichtig für Dich zu wissen wie der Ankergrund beschaffen ist. Der Anker soll sich gut eingraben können. Sehr guten Halt hast Du bei sandigen Boden und auf Lehm. Wächst Seegrass auf dem Grund kann die Haltekraft des Ankers deutlich verringert, da er sich nicht so gut eingraben kann. Dasselbe gilt natürlich für Steine und Felsen. Diese wichtigen Informationen kannst Du in der Regel aus der Seekarte entnehmen. Geeignete Ankerplätze sind dort oft eindeutig  gekennzeichnet. In Revierführern findest Du auch weitere gute Informationen und Hilfe  beschrieben.

Wie verhalte ich mich, wenn andere Ankerlieger in meiner unmittelbaren Nachbarschaft liegen?

Wichtig ist zu erfahren (ggf. durch Befragen der anderen Skipper),  wo die Anker der Nachbaryachten liegen und wie viele Meter an Kette sie ausgebracht haben. Hieraus ergeben sich unterschiedliche Drehkreise (Schwojkreise) der Yachten, dies es zu beachten gilt.

Die Tiefe an der Ankerstelle stellst Du mit deinem Echolot fest. Wieviel Kette Du gibst, hängt von der Wassertiefe ab. Ist das Wasser beispielsweise 4 Meter tief, so liegen rund 20 Meter auf dem Grund, ca. 5 Meter liegen nicht dauerhaft am Boden und Du zählst noch die Wassertiefe von 4 Metern hinzu. Dann bist Du bei gut 30 Metern Kette, die Du gibst.

Aber auch die Stärke des Windes und die Windangriffsfläche der Yacht spielen bei der Kettenlänge eine wichtige Rolle bei der Berechnung der Kettenlänge. Je mehr Kette am Boden liegt, umso besser hält der Anker.

Um die Länge der gegebenen Kette festzustellen, kannst du diese mit Farbe markieren oder mit einer Kettenmarkierung aus Kunststoff. Die Markierungen sind aus farbigen Kunststoff und werden einfach in die Kettenglieder eingeklemmt.

Die Markierung sollten alle 10 Meter Kettenlänge angebracht werden.

Richtig ankern – Wie fahre ich das Ankermanöver richtig?

Du machst den Anker klar und weißt deine Mannschaft ein

Dein Crewmitglied geht auf das Vorschiff und macht den Anker klar, sodass er frei Außenbords hängen kann. 

Die Verständigung zwischen Skipper und Crewmitglied wird mit vorher abgestimmten Handzeichen vorgenommen. Der Skipper hat aufgrund der Wassertiefe die Länge der zu gebenden Kette bestimmt.
Auf Anweisung / Handzeichen des Skippers läßt das Crewmitglied den Anker auf den Grund fallen. Dabei muss die gefierte Kettenlänge bestimmt werden. Hierzu ist eine Kettenmarkierung in bestimmte Abstände hilfreich, um die Länge des Kette zu bestimmen. Zum Beispiel ab 10 Meter beginnend alle 10 Meter eine Markierung anbringen. Wenn ausreichend Kette gegeben worden ist, dann gibt das Crewmitglied dem Skipper ein Zeichen.
Die Grundregel lautet: „Je mehr Kette, desto besser“. 

In Gezeitengewässern sollte dann der maximale Tiedenhub zur Bestimmung der Länge der Ankerkette berücksichtigt werden und mehr Kette bei hohen Tidenhub und Gezeitenströmungen verwendet werden.

Du erkundest den Ankerplatz erkunden

Es ist sinnvoll den möglichen Schwojkreis vor dem eigentlichen Ankermanöver abzufahren um mit dem Echolot zu überprüfen, ob auch überall rund um den Ankerpunkt die Wassertiefe ausreichend ist. So kannst Du sicherstellen, dass das Boot auch einen 360°-Kreis um den Anker drehen kann, ohne Grundberührung zu haben.

Der Anker wird fallen gelassen

Das Cremitglied am Anker signalisiert dem Skipper guten Ankergrund, der Skipper fährt die Yacht gegen den Wind und stoppt die Yacht auf. Wenn die Yacht keine Fahrt mehr macht, wird der Anker fallen gelassen.

Der Skipper teilt dem Crewmitglied die Wassertiefe mit, damit dieses dann weiß, wie viel Ankerkette er geben soll. 

Den Anker ausbringen

Die Yacht wird rückwärts laufen gelassen (bei Bedarf wird die Maschine rückwärts einkuppelt), dabei wird die Kette zunächst weiter nachgeben. Dabei wird sich die Ankerkette  etwas straffen. Es ist das Ziel, dass die Ankerkette möglichst gerade ausgelegt wird. Bei der Rückwärtsfahrt durchs Wasser sollte eine angemessene Geschwindigkeit beibehalten werden. Die Yacht sollte keine große Geschwindigkeit beim Rückwärtsfahren erreichen! Der Anker soll sich langsam eingraben bis er fasst.

Der Ankerhalt sollte kontrolliert und der Anker eingefahren sein.

Sobald die notwendige Kettenlänge ausgebracht worden ist, muss nun der Ankerhalt überprüft werden. Dazu fährst Du deine Yacht mit eingekuppelten Rückwärtsgang im Leerlauf um die Kette zu spannen. Wenn Du nun etwas mehr Rückwärtsfahrt gibst, sobald die Kette stramm ist, kann sich der Anker besser eingraben.

Dabei kannst du mittels Peilung zweier Objekte am Land feststellen (Ankerpeilung), ob der Sitz des Ankers korrekt ist und er im Grund hält. Solange der Anker nicht hält, wandert auch der Fernbereich hinter dem am Festland festgelegten Peilobjekt. Sobald der Anker hält, steht die Yacht und der Fernbereich an Land wandert nicht mehr aus. An der Ankerkette ist auch jetzt keine Vibration mehr zu spüren. 

Der eingefahrene Anker gibt ruhigeren Schlaf!

Wie verständige ich mich beim Ankermanöver?

Am Besten verständigen sich der Skipper und das Crewmitglied vorne auf dem Bug über Handzeichen. Wichtig ist, dass sich die Crew über die Handzeichen einigt.

Es reicht nur ein paar Zeichen zu vereinbaren. Beispielsweise „Daumen runter“ für der Anker fällt. Mit einem Finger Zeichen alle 10 Meter Kette kann dem Skipper signalisiert werden wie viel Kette ausgelaufen ist ( 1 Finger = 10 Meter, 2 Finger = 20 Meter, etc.).

Wenn der Anker den Grund erreicht hat, gibt das Crewmitglied vorne am Bug Zeichen an den Skipper, dass er mit der langsamen Rückwärtsfahrt beginnen soll, damit sich kein „Kettenberg“ bildet und die Kette sich gegebenenfalls vertörnt.


Richtig ankern – Wie nehme ich den Anker wieder auf?

Das Crewmitglied vorn auf dem Bug zeigt mit ausgestrecktem Arm, wo die Kette auf dem Grund liegt. Der Skipper kann dann mit langsamer Vorausfahrt immer in die jeweilige Richtung fahren, die ihm sein Crewmitglied anzeigt. Ein wesentlicher Vorteil ist dabei, dass die Ankerwinde nicht zu stark beansprucht wird und zusätzlich der Bugbeschlag geschont wird.

Durch den senkrechten Zug bricht der Anker dann aus dem Grund heraus und kann so an Bord genommen werden. Es empfiehlt sich den Anker und die Ankerkette beim Aufholen, sofern der Anker und die Kette z.B. mit anhaftenden Lehm verschmutzt sind, zu reinigen.

Empfiehlt sich der Einsatz einer Trippboje / -leine beim Ankern?

Grundsätzlich empfiehlt sich der Einsatz einer Tripboje/-leine immer dann, wenn die Beschaffenheit des Meeresbodens nicht klar genug ist und es ausreichend Abstand zu anderen Ankerlieger gibt.

Die Trippleine wird am gegenüberliegenden Ende des Ankerschaftes, bzw. des Bügels befestigt. Das hängt immer davon ab, welchen Anker man im Einsatz hat.

Die Leine wird dann an einer Boje befestigt, die bis an die Wasseroberfläche reicht. Dort wird dann die Lage des Ankers im Wasser angezeigt. 

Sollte es Probleme beim Ankeraufholen geben, so kann mit der Trippleine der Anker verkehrt herum aus der Grund gezogen werden.